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18.06.2014 Kategorie: Vorsfelde - Gemeinde

Wort zur Zeit

WM aktuell: Sport und Kirche in Brasilien

Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien .....
.... und die Brasilianer freuen sich nicht.
Worum geht es im Weltfußball? Um Sport und Spaß?
Oder um Geld und Gier?

Daran, dass die WM pünktlich angepfiffen wird, hat niemand gezweifelt. Auch nicht daran, dass wir vier Wochen lang großartige und spannende Fußballabende erleben.

Ich möchte niemandem die Freude am Fußball nehmen und  trotzdem einen anderen Blick auf das WM-Land werfen: In Brasilien protestieren die Menschen schon seit Monaten gegen die Ungerechtigkeit in ihrem Land, gegen ein Mega-Event auf Kosten der Armen.

Hauptgrund für die schlechte Stimmung sind die gebrochenen Versprechen. Die Weltmeisterschaft wurde den Brasilianern mit zwei Zusagen verkauft: Erstens würden zahlreiche Infrastrukturprojekte die Lebensqualität in den Spielorten verbessern. Zweitens werde kein Real an Steuergeldern in die von der Fifa geforderten Stadionbauten fließen, sie würden komplett privat finanziert.

Die Bilanz heute: Neun Milliarden Reais, rund drei Milliarden Euro, an öffentlichen Geldern sind in die zwölf Stadien gesteckt worden. Die Summe der privaten Investitionen: null. Mindestens vier Stadien gelten bereits jetzt als Weiße Elefanten, also Bauten, die nach der WM keine Funktion mehr haben, aber von der Öffentlichkeit teuer unterhalten werden: Brasilia, Cuiabá, Manaus, Natal.

Demgegenüber wurden viele Infrastrukturprojekte aufgegeben oder verschoben. In Brasilia strich man einen S-Bahnbau wegen des Verdachts auf Betrug bei der Ausschreibung. In São Paulo den Bau einer zusätzlichen Metrolinie. In Manaus ein Hochbahnprojekt. Nun ist es bei der Zwangsräumung eines Armenviertels in Rio de Janeiro zu schweren Zusammenstößen gekommen.

All diese Erfahrungen sind nicht überraschend, wenn man mit offenen Augen nach Südafrika schaut; dem WM-Land von 2010. Ein großer kommerzieller Erfolg auf der einen Seite. Manche Infrastrukturmaßnahmen wurden auch tatsächlich auf den Weg gebracht. Auf der anderen Seite sind unzählige negative Folgen zu beobachten: Erzwungene Umsiedlungen, Menschenrechts-verletzungen, ungenutzte Stadien mit hohen Kosten.

Wie schon in 2010 sind die Missionswerke sowie Kirchen in Brasilien und in der Welt auch zu dieser WM wieder sehr aktiv. Einerseits unterstützen sie soziale Projekte vor Ort. Anderseits informieren sie über die Situation und stellen viel Material zur Verfügung.

Dennoch bleibt die Frage: Kann und soll ein sich entwickelndes Land eine Fußball-WM ausrichten?

Beitrag von Beate Stecher